Die neue Saison steht vor der Tür und wir freuen uns, euch auch in dieser textilen Spielzeit ein paar Neuzugänge in unserem Markenportfolio präsentieren zu können. Den Anfang macht eine Marke die man im Fußballjargon wohl als absoluten Kracher bezeichnen würde: Patagonia ist wahrscheinlich jedem von euch ein Begriff und muss eigentlich nicht weiter erklärt werden. Hinter dem Label verbirgt sich allerdings eine spannende Story, die wir euch an dieser Stelle nicht vorenthalten wollen.

 

Hippies with Attitude

 

Ob bei Regen, Kälte oder Sonnenschein - Patagonia macht stabile Outdoor-Klamotten und Accessoires ohne viel Schnickschnack, die Dich nicht im Stich lassen. Damit könnte man es schon auf sich bewenden lassen, aber das würde dieser Marke absolut nicht gerecht werden. Denn das selbst gesteckte Ziel des 1973 gegründeten US-Labels ist es, das beste Produkt herzustellen - nicht mehr, aber auch keinen Deut weniger. Rucksäcke, Taschen, Jacken und alles andere muss nicht nur gut aussehen, sondern auch was taugen, im Alltag ebenso wie auf Bergtouren im extremen Gelände. Und weil die Sachen ideal für das Leben draußen in der Natur sind, soll diese bei der Herstellung der Produkte auch so weit wie möglich geschont werden. Diese Grundsätze gelten für das Unternehmen bis heute - und wohl kaum eine Firma zieht ihr Ding dabei so konsequent durch, wie die Kalifornier.

Photo: Patagonia Historical Archives

Die Anfänge

Bereits im Alter von 14 Jahren entdeckte Patagonia-Gründer Yvon Chouinard seine Leidenschaft für’s Klettern, rasch zog es ihn und seine Kletterkumpel in den Yosemite-Nationalpark. Bergsteigen, das hieß in den 1950er Jahren noch, Kletterhaken aus weichem Eisen in den Felsen zu schlagen und diese dann dort zurückzulassen. Beim Big-Wall-Klettern brauchte man aber für einen Aufstieg Hunderte solcher Haken. Das war Chouinard deutlich zu teuer, und er beschloss, seine eigene, wiederbenutzbare Hardware herzustellen. 1957 kaufte er auf einem Schrottplatz einen gebrauchten Schmiedeofen, einen Amboss, Zangen und Hämmer - und brachte sich selbst das Schmieden bei. Die stabilen Stahlhaken kamen an und Chouinard richtete hinter seinem Elternhaus eine kleine Werkstatt ein. Das tragbare Werkzeug nahm er auch einfach mal eben im Auto mit an den Strand, wenn er surfen ging. In den Pausen konnte er so nebenbei noch ein paar seiner Kletterhaken herstellen.

 

Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, verkaufte er die Haken aus dem Kofferraum heraus, musste mit steigender Nachfrage aber bald aufrüsten und das Ding etwas professioneller aufziehen. 1965 stieg der Luftfahrtingenieur und Kletterer Tom Frost als Geschäftspartner ein und die beiden überarbeiteten unter dem Label Chouinard Equipment fortan fast jedes erdenkliche Kletterutensil. Schon damals störte den Do-it-yourself-Mann auch, dass das Einschlagen der Haken die Felsen mehr und mehr zerstörte. Also zogen sich Chouinard und Frost aus dem Kletterhaken-Geschäft zurück und setzten auf nachhaltigere Alu-Keile, die in den Stein geklemmt werden konnten.

Photo: Mikey Schaefer

 

Souvenir aus den Highlands

Auch mit der Kleidung, die man in den späten 60er Jahren beim Klettern trug, waren die beiden nicht zufrieden. Von einem Trip nach Schottland brachte Chouinard ein Rugby-Shirt mit, das deutlich belastbarer war, als die damals verbreiteten Stoffhemden. Es kam, wie es kommen musste: Die Amis waren begeistert und jeder wollte auch so ein Teil haben. Die nachgeorderten Shirts - übrigens bei Umbro, einer auch bei Casuals heute nicht ganz unbekannten Marke - waren umgehend wieder ausverkauft. Die Marktlücke war erkannt und wurde neben Import-Kleidung auch mit PU-Regenjacken, Biwaksäcken und Wollhandschuhen aus Europa bedient. Damit war das Label Patagonia geboren.

 

Es begann eine Phase des Herumexperimentierens mit High-Tech-Fasern und -Materialien, um damit Kleidung zu produzieren, die schweißtreibender Bewegung auch stand hält und dabei gut aussieht. Wo Anfang der Achtziger im Outdoorbereich farblich noch Beige, Braun oder Grün vorherrschten, knallten die Klamotten der Kalifornier mit Styles in Kobaltblau, Smaragdgrün, Knallrot oder Aloe richtig ins Auge - und weckten damit auch schnell das Interesse der mode-affinen Stadtmenschen.

 

Bei aller Experimentierfreude: An der Firmenkultur wurde nie gerüttelt: Die Mitarbeiter konnten stets anziehen, was sie wollten, gingen Laufen, Surfen oder spielten Volleyball. In der Cafeteria gab’s bereits in den 80ern vegetarisches Essen, Patagonia hatte eine eigene Kita und die Leute möglichst viele Freiheiten. „Wir mussten uns nie einer traditionellen Unternehmenskultur beugen, die die Arbeit so engstirnig machen und Kreativität verhindern kann“, sagen die Macher nicht ohne Stolz.

Photo: Ben Moon

Umweltschutz aus Prinzip

Zum Firmenethos gehört von Anfang an auch, Verantwortung für die Natur zu übernehmen: So fördert Patagonia seit 1988 Jahr für Jahr eine große Umweltschutzkampagne, die Kataloge werden auf Recycling-Papier gedruckt, man setzt auf Solarstrom und kontrolliert streng die Farbstoffe und Materialien für alle Kleidungsstücke. Seit 1996 wird nur noch Bio-Baumwolle verwendet. Aus den erzielten Gewinnen sponsert das Unternehmen ausschließlich Initiativen, die Basisarbeit für bestimmte ökologische Zwecke leisten und sich den Schutz von Lebensräumen, wilden Naturlandschaften und Artenvielfalt auf die Fahnen geschrieben haben.

 

Wem das alles an Infos noch nicht reicht, kann unter http://eu.patagonia.com/de/de/company-history.html mehr über die Firmengeschichte erfahren. Übrigens: Jedes Patagonia-Produkt hat einen eigenen QR-Code, unter dem man mehr über das Teil und dessen Geschichte erfahren kann.

 

Bei einer solchen Firmenstory dürfte es doch eigentlich reichlich Argumente geben, um unsere besseren Hälften davon zu überzeugen, warum die Jacken von Patagonia unbedingt den Weg in unsere Schränke finden müssen, oder?

Photo: Andrew Burr